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Montag, 26. September 2011

History Blog #106

Die Reihe "History Blog" besteht aus Kopien aus meinem eigentlichen und aktuellen Blog, in dem ich alles raus lasse. Die Blogs, die von dort hier herüber wandern, drehen sich ausschließlich im weitesten Sinne um das Studium und sollen einen Einblick auf mein Leben bis zum Studienabschluss an der Hochschule Darmstadt vermitteln.

Bis ich die Gegenwart erreiche wird hier täglich ein History Blogs neu veröffentlicht.



Erstveröffentlichung: Donnerstag, 8. April 2010 - 6:50


Ursprünglicher Blogtitel: "Ein Tag zum niederknien" 



Ich hätte gestern so schön ausschlafen können... Nein, wahrscheinlich nicht, denn irgendwie war die Nacht vorher vollkommen Brause. Aber ich hätte es brauchen können.

Statt dessen, weil ich ja ein sehr aufmerksamer Student bin, habe ich mich zu nachtschlafender Zeit aus dem Bett gehoben und mich zur Hochschule begeben um mir die ersten Vorlesungen in Baubetrieb 2, Verkehrswesen 2 und Stahlbau zu Gemüt zu führen.

Durch die Schulferien in Hessen war der Bus sogar überpünktlich und die Straßen sowie die Stadt waren angenehm menschenleer. Da wirkt ein Morgen richtig ruhig, weil die ganze Hektik fehlt und der stockende Verkehr erst in Darmstadt durch die Ampeln hervor gerufen wird, nicht bereits 5 km außerhalb.

Gebracht hat das insofern nichts, da dafür der Prof zu soät kam. Das hätte ich mir allerdings denken können, in Geodäsie war er auch selten pünktlich. Dafür sah er aber aus wie frisch aus dem Weinglas geschlüpft (würde passen, er gibt auch Vorlesungen im Weinbergebau, in denen er regelmäßig ein Fässchen zur Vorlesung spendiert). Frisur (sofern man das so nennen kann) kreuz und kraus, Augen klein und langsam, drei-Fässer-Bart, hängende Schultern und eine Aussprache... Gut, er ist schon irgendwie so ein Ur-Hesse, aber trotzdem merkte man ihm überdurchschnittle Abweichungen vom Hochdeutschen an ;)

Ähnlich spannend verlief dann aber die Vorlesung. Einführungsvorlesungen sind entweder wahnsinnig interessant, was aber leider oft darauf hinweist, dass der Rest vom Fach dann stinkend langweilig wird, oder aber so einschläfernd, dass man gleich wieder gehen mag.

Hier traf nun letzteres zu.

In Baubetrieb 2 wird es wohl vornehmlich darum gehen einen Bauablauf zu planen und (wenn ich das aus den letzten Jahren richtig mitbekommen habe) dabei hauptsächlich um Baumaschinen, die irgendwie eingeteilt werden müssen. Aber dass aus Sekunden Minuten werden und sich die Zeit zähflüssig wie alten Maschinenöl dahinzieht hat mir vorher niemand gesagt.

Das wurde auch den ganzen Tag nicht unbedingt anders. Besonders im zweiten Block fragte ich mich dann ernsthaft, ob sich das Aufstehen gelohnt hatte, als der Professor zur Veranschaulichung des Themas "Nachhaltigkeit" diesen Video vorspielte: 



(Geht noch weiter, aber die Pause passt gerade: erinnert ihr euch an "die Eule"? Ich hab vor langer Zeit mal über jemanden aus dem Studiengang erzählt, der einfach nur dumm ist, zumindest Zwischenmenschlich (seine Leistungen kenn ich nicht). Ich hab mich vor eineinhalb Jahren bestimmt schonmal mächtig über ihn ausgelassen. Nunja: ich konnte gestern mal wieder herzlich über ihn lachen, als etwa bei Sekunde 30 (im zweiten Teil) von hinten die Frage geschnorchelt wurde: "Ey iss dess dess Ei, odda was?"

Zugegeben, Situationskomik, aber es unterstreicht wohl, dass man nicht hell sein muss um irgendwie Student zu werden.)




Spitze, oder? Und wieder was gelernt...

Nach der Mittagspause gab es zwei herrliche Blöcke Verkehrswesen 2... Spannend wie der gesamte Vormittag. Nunja, hier konnte ich wenigstens etwas besser zuhören, da auch geringfügiger Informationsfluss stattfand, aber im Großen und Ganzen fühlte ich mich doch einfach Banane und hätte gern die Heimreise angetreten.

Wie selbstverständlich kündigte der Prof gleich relativ zu Beginn einige kleine Terminänderungen an. Hab ich ja nicht das Problem mit, denn frühzeitig ist besser als viel zu spät. Allerdings finde ich es nicht so prickelnd, der Willkür von jemandem ausgesetzt zu sein, der nicht rechts und links schaut (wie auch, so ohne Hals?) - im übertragenen Sinn, meine ich.

So nannte er zwei Termine, an denen seine Vorlesungen bis 17 Uhr gehen werden, da er eine Woche darauf in Süd Afrika unterwegs ist und versucht bei der Verkehrsplanung für die WM einen guten Eindruck zu machen. Ein Glück, dass dort im Moment Winter ist, denn einen bei geringer körperlicher Betätigung so arg schwitzenden Herren als Repräsentanten in die Welt zu entlassen fühlt sich doch irgendwie komisch an... Ich will ihn letzte Woche in Abu Dhabi nicht erlebt haben.

Nun, zurück zum Thema: die uhrzeitliche Ausdehnung ist gar nicht so schlimm. Allerdings ist im Anschluss an seine Vorlesung Stahlbau. Um 16.00 Uhr. Im gleichen Raum. Der Hinweis darauf wurde aber mit gemurrtem "dann muss sich der Kollege eben was anderes überlegen" kommentiert. Also mal abwarten.

Nachdem ich aber diese zwei Vorlesungen doch tatsächlich überlebt hatte ging es zum Abschluss in den Stahlbau. Neuer Lehrbeauftragter, da der alte Prof wohl dieses Semester nicht kann. Ein vergleichsweie junger Herr, ich schätze ihn vom Äußeren auf Mitte 30, da er aber schon Anfang der 90er mit dem Studium fertig war kann man da wohl noch ein paar Tage drauf legen. Macht einen netten Eindruck, durchaus kompetent, aber leider mit leisem Sprachorgan gesegnet, sodass es schwer ist ihn zu verstehen.

Seine Präsentation war auch ganz gut gemacht, also ausnahmsweise war das Verhältnis von Schriftmenge zu Bildanzahl durchaus brauchbar im Gegensatz zu den Präsentationen mancher anderer Profs, und ansonsten gab es mal was gewagtes: weiße Schrift auf schwarzem Grund :clap: :clap: :clap:

Na gut... Vollkommen egal, aber mal was anderes.

Dumm nur, dass das meiste der ganzen Geschichte schon irgendwie bekannt ist, was man so als Einführung bringen kann. Was macht man mit Stahl, warum macht man was mit Stahl, was kann Stahl, wieso kann Stahl was... So Zeugs halt. Also kurze Erwähnung von Sachen, die man in Baustoffkunde hatte, dann einige aus Tragwerklehre, etwas aus Statik, noch ein wenig Massivbau mit dazu... Nicht schlimm sowas, Wiederholungen festigen ja. Nur um 16.30 Uhr zum wachbleiben nicht unbedingt geeignet.

Die Vorlesung wurde zwar frühzeitiger beendet als eigentlich vorgesehen, aber einen signifikanten Nutzen hatte ich nicht davon. Passend zum Tagesablauf hatte ich den Bus gerade verpasst und durfte mir noch fast eine Stunde Wartezeit vertreiben bis ich den nächsten Richtung Heimat besteigen konnte. Und unglücklicherweise hat sich jemand aus meinem Jahrgang nun dazu entschlossen seinen Opel gelegentlich mal stehen zu lassen und den Bus zu nutzen - zufällig genau meinen (meistens jedenfalls). Und zufällig gehört dieser Herr zu denjenigen, die nicht unbedingt auf meiner Beliebtheitsliste weit nach oben gekommen sind, weil er einfach zu viel redet und grundsätzlich an den falschen Stellen lacht.

Aber die Fahrt dauert ja nur 45 Minuten...

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